RLS-Spezial:Ist die ganze Welt bald pleite?

Zur aktuellen Staatsschulden- und Eurokrise. Argumente, Analysen und Debatten.

26.10.2011 / Dienstag, 25. Oktober 2011

Seit zwei Jahren kämpfen die Regierungen der Euro-Zone gegen die Staatsschuldenkrise. Immer neue Kredite, Garantien und Sparprogramme haben das «Vertrauen der Finanzmärkte» in die Kreditwürdigkeit der Euro-Staaten noch nicht wieder hergestellt. Nun hat die Politik ein neues «Rettungspaket» geschnürt: Griechenland soll einen größeren Schuldenerlass erhalten. Da dies einen Verzicht der Gläubiger Athens bedeutet, sollen die Banken ihre Kapitalreserven erhöhen, um die Verluste zu bewältigen. Und schließlich soll der Euro-Rettungsschirm EFSF (European Financial Stability Facility) ausgeweitet werden, um Kapital für künftige Krisen bereitzuhalten. Das effektive Ausleihvolumen des EFSF wird auf 440 Milliarden Euro erhöht. Gleichzeitig soll die «Feuerkraft» des Fonds über einen «Hebel» erhöht werden, um im Notfall auch große Staaten wie Spanien oder Italien auffangen zu können. Dies geschieht über ein «Versicherungsmodell». Hier leihen sich die Krisenstaaten weiter Geld an den Finanzmärkten. Der EFSF räumt den Geldgebern aber eine Ausfallversicherung ein. Bis zu einer bestimmten Obergrenze ersetzt er ihnen mögliche Verluste, sollte ein Land seine Schulden nicht mehr bezahlen können. Diese Garantie soll die Anleihen der Peripheriestaaten für Investoren attraktiv machen.

Ein Rechenbeispiel: Garantiert der EFSF die Kredite zu 50 Prozent, würde sich seine effektive Wirkungskraft damit etwa verdoppeln. Denn er könnte nicht nur 440 Milliarden Euro verleihen, sondern über Garantien in Höhe von 440 Milliarden Euro den Peripheriestaaten Kredite über 880 Milliarden Euro zugänglich machen. Die gegenwärtige Staatsschuldenkrise wird die Welt noch eine Weile in Atem halten.

Im folgenden dokumentiert die Rosa-Luxemburg-Stiftung grundlegende Argumentationsangebote und Analysen zum Thema.

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