Gemischte Gefühle: Thüringen nach der "Flüchtlingskrise"

Ergebnisse des Thühringen-Monitors 2016

15.11.2016 / Friedrich-Schiller-Universität Jena, September 2016

Vorwort

Der THÜRINGEN-MONITOR wurde im Jahr 2000 unter dem Eindruck eines Brandanschlags auf die Erfurter Synagoge als ein Instrument zur Beobachtung der politischen Kultur in Thüringen mit einem Schwerpunkt in der Erfassung rechtsextremer und demokratiegefährdender Einstellungen begründet. Mit seinem jährlichen Befragungsmodus, der nur im Jahr 2009 einmal unterbrochen wurde, ist er zu einem in Deutschland einzigartigen Instrument zur Langzeitbeobachtung der Entwicklung des politischen Meinungsklimas und gesellschaftspolitischer Einstellungen in einem Bundesland geworden. Indem er politisch kontroverse Themen aufgreift, wurde er selbst zum Gegenstand politischer Kontroversen. Der Nutzen, den eine wissenschaftlich solide und über die Zeit gut konsolidierte Befundlage zur politischen Kultur des Landes für eine Versachlichung öffentlicher Debatten haben kann, wurde und wird aber über ein breites politisches Spektrum anerkannt.

Traditionell verbindet der THÜRINGEN-MONITOR ein jährlich bzw. im regelmäßigen zeitlichen Abstand wiederholtes Fragenprogramm, sein „Standbein“, mit einem wechselnden Schwerpunktthema. In diesem Jahr ist es die mit dem Zustrom von über einer Million Flüchtlingen und Asylsuchenden, durchmischt mit Arbeits- und Armutsmigrant_innen, überwiegend aus islamischen Ländern, verbundene Herausforderung für Politik und Gesellschaft. Dies ist ein in der Geschichte der Bundesrepublik einmaliger Vorgang und es ist das erste Mal in der Geschichte des THÜRINGEN-MONITORs, dass zwischen zwei Erhebungspunkten, im gegebenen Fall zwischen 2015 und 2016, eine so dramatische, die öffentliche Debatte so stark bestimmende Entwicklung stattgefunden hat. Was in diesem Jahr mit der politischen Kultur in unserem Land geschehen ist, ob es eine Radikalisierung und Polarisierung gegeben hat, ob eine akute Gefährdungslage für unsere Demokratie entstanden ist, wie die Menschen in Thüringen ihre neuen Mitbewohner_innen wahrnehmen und welche Erwartungen sie hier an die politisch Verantwortlichen haben, wird auf den folgenden Seiten nachzulesen sein.

Der von der Thüringer Staatskanzlei in Auftrag gegebenen Untersuchung liegt eine repräsentative telefonische Befragung mit den folgenden Eckdaten zugrunde:

  • Befragungszeitraum: 30. Mai bis 25. Juni 2016
  • Stichprobenziehung: Zufallsauswahl unter Thüringer_innen, die zu Bundestagswahlen wahlberechtigt sind (Auswahlgrundlage von Festnetzanschlüssen nach dem Gabler-Häder-Design)
  • Stichprobengröße: 1.001 Befragte
  • Erhebungsverfahren: Computerunterstützte Telefoninterviews (CATI)
  • Gewichtung: nach Alter, Geschlecht, Bildung, Haushaltsgröße (IPF-Gewichtung)
  • Fehlertoleranz: ca. anderthalb Prozentpunkte (bei einem Anteilswert von fünf Prozent), ca. drei Prozentpunkte (bei einem Anteilswert von 50 Prozent)
Über Grundlagen der Befragungsforschung und der statistischen Auswertungsverfahren informiert erneut das Methoden-Glossar im Anhang. Die konkreten Frageformulierungen und die Häufigkeitsverteilungen nach ausgewählten sozialstrukturellen Merkmalen der Befragten sind im Tabellenteil dokumentiert. Bei den gerundeten Prozentangaben im Text handelt es sich, wenn nicht anders angegeben, um gültige Prozente.

Ich danke Herrn Thomas Ritter und seinem Team im CATI-Labor am Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, in deren Händen auch in diesem Jahr die Durchführung der telefonischen Befragung lag. Dank gilt auch Frau Katharina Danner, Frau Laura Uhlig, Frau Rosa Sondermann, Frau Lisa Anke, Frau Katja Salomo, Frau Franziska Schmidtke, Herrn Ekkehard Lux und Herrn Dr. Ronald Gebauer.

Jena, im September 2016, Heinrich Best

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Den Thüringen-Monitor 2016 sowie die Regierungserklärung von Ministerpräsident Bodo Ramelow finden Sie in den nachfolgenden PDF-Dokumenten

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