Abkopplung des Franken vom Euro: Was heißt das?

Von Axel Troost

12.02.2015 / aus: Sachsen Linke!, Heft 01-02/2015

Die plötzliche Abkehr der Schweizer Notenbank von einem gedeckelten Wechselkurs zum Euro hat selbst Experten überrascht. Durch die Ankündigung der Schweizer Nationalbank, den über drei Jahre aufrecht erhaltenen Höchstkurs von 1,20 Euro je Franken nicht weiter aufrecht zu halten, wertete der Franken sprunghaft auf und stabilisierte sich kurz danach vorerst bei einem Kursplus von nahezu 20 Prozent gegenüber dem Euro.

Seither wird spekuliert über die Gründe für diesen Kurswechsel der Schweizer Nationalbank, die weitere Kursentwicklung zwischen Franken und Euro, sowie die Gewinner und Verlierer dieser Maßnahme. Bedingt durch die Größenverhältnisse der Währungsräume sind die unmittelbaren Konsequenzen für den Schweizer Franken und Schweizer Wirtschaft ungleich einschlagender als für die Währung und Ökonomie der Eurozone:

Die Verlierer sind vor allem die Schweizer Tourismusbranche und der Exportsektor, da sich die Schweizer Waren und Dienstleistungen für alle Fremdwährungshalter exorbitant verteuert haben und die Absatzprognosen düster stehen. Dementsprechend stürzten vor allem die betreffenden Unternehmensaktien an der Schweizer Börse ab, welche sich mittlerweile leicht erholt hat.

Da mit Kurzarbeit die drohende Rezession abgefedert werden soll, sind auch die betroffenen Arbeitnehmer, vor allem die Geringverdiener unter ihnen, zu den Verlierern zu zählen.

Als Gewinner profitieren sowohl der Schweizer Importsektor als auch Schweizer Sparer sowie europäische Besitzer Schweizer Bankkonten bzw. in Franken geführten Konten, die nun einen schlagartigen Kaufkraftgewinn gegenüber der Eurozone verbuchen können (erhöhte Kaufkraft bezüglich Importgüter und Auslands-Urlaube). Zudem werden Exporte aus dem Euroraum in die Schweiz und den Rest der Welt wettbewerbsfähiger.

Das sind die kurzfristigen Folgen, aber die langfristigen Lehren kommen erst noch. Denn die Schweiz hat sich symbolträchtig abgekoppelt, der Euro verliert damit einen Teil seines regionalen Leitwährungsstatus.

Was bedeutet das für die Zukunft der Schweiz? Es ist offen, ob die Politik der SNB aufgeht, oder ob es zu einem weiteren massiven Aufwertungsdruck kommt – und wie dieser einzuschätzen wäre. Sicherlich wird es die Schweizer Wirtschaft schwer haben und der Kapitalzustrom in die Schweiz eher anhalten. Für Deutschland wird dieses Experiment ganz speziell lehrreich sein: An der Schweizer Wirtschaft kann nun das Szenario einer „abrupten Aufwertung“ studiert werden, welche auch Deutschland drohen würde – bei einer Rückkehr zur DM bzw. beim Austritt aller strukturschwächeren Euroländer aus dem Euro.

Und was heißt das für die deutsche und europäische Situation? Zunächst ist es ein weiterer Glaubwürdigkeitsverlust für die Gemeinschaftswährung Euro, wenn sich mitten im Euro-Gebiet eine der bekannten geografischen und währungspolitischen Inseln nun gezwungen sieht, die Seile zum Euroland kappen. Zudem lässt sich eine generelle Abwertungstendenz der großen Währungsräume belegen, die von vielen Kommentatoren als Abwertungswettlauf ausgelegt wird, um die global immer mobileren Produktionskapazitäten – und damit Einkommen, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen – bei sich zu konzentrieren. Die Probleme der Eurozone und die von der Politik nicht ausgeräumten Zweifel am Eurofortbestand haben hier den Nebeneffekt, eine andauernde und weiterhin zunehmende Unterbewertung des Euros zu verursachen. Dies nützt der deutschen und europäischen (Export-)Wirtschaft und schafft Arbeitsplätze hierzulande. Dass diese Politik auf Kosten der europäischen Peripherie geht und mit hohen Handelsüberschüssen auch neue Risiken aufgebaut werden, steht auf einem anderen Blatt.

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