Deutsche Bank: Profitjagd macht korrupt

Von Rudolf Hickel

20.12.2012 / Dezember 2012

Nach dem Aufmarsch der Polizei zur Sicherung von Beweismaterial über unterschlagene Umsatzsteuer beim Handel mit Zertifikaten zum Ausstoß von Treibgasen ist die mediale Kritik an der Deutschen Bank geradezu überwältigend kritisch. Selbst namhafte Politiker der Bundesregierung zeigen sich empört. Dabei ist es noch nicht lange her, da war der Chef der Zockerbank, Josef Ackermann, zum einflussreichen Regierungsberater im Bundeskanzler­amt aufgestiegen. Der im Herbst 2008 durchgesetzte, staatliche Rettungsfonds für Banken mit einem Volumen von 480 Mrd. Euro, aber auch der für die Banken günstige, selbstfinanzierte Restrukturierungsfonds trägt dessen Handschrift. Allerdings waren zu dieser Zeit bereits die unseriösen Zockergeschäfte mit Ramschpapieren und die kriminellen Machenschaften nicht unbekannt. An der Wall Street zählte die Deutsche Bank zu den die Finanzmarktkrise an­treibenden Profitwahnsinnigen mit fast jedem Mittel. Bis auf wenige aufrechte Journalistin­nen und Journalisten stand die Deutsche Bank unter medialem Schutz. Auch der „Spiegel“ widmete erst nach der kriminellen Steuerhinterziehung der Deutschen Bank eine kritische Titelgeschichte.

Die eigentlichen Ursachen und vor allem die Folgen bleiben jedoch im Dunkel. Gewiss lie­gen die Ursachen für dieses durch Profitgier erzeugte Versagen nicht in riskanten Kreditge­schäften. Deshalb lenkt der derzeit hervorgehobene Fall Leo Kirch nur von den eigentlichen Triebkräften des DB-Missmanagements ab. Da hat doch nur ein arroganter, ehemaliger Vorstandsvorsitzender zur falschen Zeit und am falschen Platz die Wahrheit über die man­gelnde Zahlungsfähigkeit des Kirch-Imperiums ausgeplaudert. Vor derartiger Dümmlichkeit ist keine andere Bank sicher. Typisch für das Debakel der Deutschen Bank ist die Mischung aus Geschäften mit selbst erfundenen Zockerpapieren, Fahrlässigkeit und Betrug.

Im Mittelpunkt der Kritik steht der seit Jahren vollzogene Umbau dieses „Global Players“ vom normalen Kundengeschäft zum spekulativen Investmentbanking. Allein schon die Ex­plosion der Bilanzsumme zeigt den Wandel zur Zockerbank. Seit der Kopper-Ära ist diese um 350% auf 1.906 Mrd. Euro gestiegen. Dabei hat sich Anteil der Kundeneinlagen von 42% auf 28% reduziert. Die Umschichtung der Geschäftsfelder ist durch die Ackermannsche Zielmarke 25% Nettogewinn bezogen auf das eingesetzte Kapital geradezu erzwungen worden. Gegenüber den im normalen Kundengeschäft erreichbaren mageren Margen wur­de die Suche nach profitablen neuen Geschäften zum Prinzip. Dazu haben Mathematiker Wettinstrumente ohne jegliche produktionsbezogene Werthaltigkeit erfunden. Die Bank hat diese im Eigenhandel, also ohne Kundenauftrag angeboten.

Unter dem Regime dieser völlig überzogenen Profitrate ist ein Klima für unseriöse Geschäf­te, ja kriminelle Machenschaften erzeugt worden. Dazu einige Beispiele: Mit Zinswetten wurden etliche Kommunen über den Tisch gezogen. Mit aggressivem Spekulieren mit agra­rischen Produkten an den Warenterminbörsen wurde der Hunger in der Welt vorangetrie­ben. Die aktive Teilnahme an der Manipulation der Intenbankenrate nicht nur in London, die als wichtige Zinsgröße zur Orientierung auf den Geldmärkten dient, kann nicht überraschen. Die derzeit diskutierte, betrügerische Aneignung von staatlichen Einnahmen mit einem Schadensumfang von 850 Mio. Euro über Umsatzsteuer-Karusselle ist nur die Spitze des durch Profitgier aufgetürmten Eisbergs. Die Deutsche Bank hat auch durch den Handel mit Gift­produkten zur Finanzmarktkrise beigetragen. Im Untersuchungsbericht der US-Senats­kommission von Anfang 2011 ist der E-Mail-Wechsel ihres Chefhändlers Greg Lippmann aufgearbeitet worden. Das aus strukturierten Papieren auf der Basis von zweifelhaften Im­mobilienwerten zusammengebaute Produkt Gemstone 7 wurde intern als „Mist“ und „Saue­rei“ klassifiziert und deshalb zum schnellen Verkauf angeboten. Der Vorsitzende der US-Untersuchungskommission brachte es auf den Punkt. Die Deutsche Bank tummelte sich in der „Schlangengrube voller Gier, Interessenkonflikten und Missetaten.“

Welche Lehren sind zu ziehen? Das ungleiche Vorstandsduo Fitschen und der schwer vor­belastete Investementbanker Jain beschwören jetzt den Kulturwandel der Deutschen Bank. Was für eine Verniedlichung! Es geht jetzt darum, überhaupt eine seriöse, vertrauensschaf­fende Geschäftskultur zu etablieren. Die Bank aus Anti-Leidenschaft zum Zocken muss ge­schaffen werden. Dazu gehört auch eine scharfe Kritik, ja strafrechtliche Verfolgung der Mit­glieder im Aufsichtsrat, die die kriminalitätsanfällige Bank zu verantworten haben. Auf die bankeneigene Lernfähigkeit unter dem Regime der Profitgier sollte trotz anzuerkennender Bemühungen des neuen Aufsichtsratsvorsitzenden nicht gesetzt werden. Die Deutsche Bank steht weltweit für die Notwendigkeit, die Finanzmärkte mit ihren Banken streng zu re­gulieren. Die Rückkehr zum seriösen Geschäftsmodell muss allerdings durch gesetzliche Rahmenbedingungen abgesichert werden. Dazu zählt einerseits die Trennung des üblichen Kundengeschäfts vom spekulativen Investmentbanking. Die Trennung reicht jedoch nicht aus. Andererseits müssen die für den Eigenhandel erzeugten Zockerinstrumenten verboten werden. Nur mit stark reduzierten und dann kontrollierten Spekulationsgeschäften lassen sich die für die Gesamtwirtschaft immer noch bedrohlichen Sprengsätze entschärfen. Bei dienenden Banken bleiben nur die Spekulationsgeschäfte übrig, die der Risikoabsicherung der realen Produktionswirtschaft dienen. Eine schonungslose Aufklärung des Missmana­gements in den Vorstandsetagen und einen seriösen Neubeginn haben die schuldlosen vielen Mitarbeiter im Einsatz für die Kunden der Deutschen Bank verdient.

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