Tarifpolitik: Krise geht ans Geld der Beschäftigten

Jeder zweite Betrieb mit mehr als 20 Beschäftigten ist in Deutschland von der Wirtschaftskrise betroffen, Böckler Impuls 02/2010

17.02.2010


In 22 Prozent davon haben die Beschäftigten bis Ende 2009 Abstriche beim Entgelt hinnehmen müssen - oder derartige Einschnitte waren geplant. Das zeigt die aktuelle Betriebsrätebefragung des WSI. So kürzen Betriebe unter anderem Sonderzahlungen, sie setzen vorgesehene Lohnerhöhungen aus oder reduzieren übertarifliche Entgeltbestandteile. In zehn Prozent der Krisenbetriebe wurden betriebliche Sozialleistungen wie etwa die Altersvorsorge gekürzt oder eine Einschränkung angekündigt. Dass Betriebe zur Kostensenkung direkt in die Bezahlung eingreifen, kommt seltener vor als Reduzierungen der Arbeitszeit durch den Abbau von Zeitkonten oder Kurzarbeit. Nach Analyse des WSI-Tarifexperten Reinhard Bispinck tragen die Abstriche aber ebenfalls dazu bei, dass 2009 vom Zuwachs bei den Tariflöhnen und Gehältern um nominal 2,6 Prozent unter dem Strich nur wenig ankam. Die effektiven Bruttoeinkommen je Arbeitnehmer sanken nominal um 0,4 Prozent, inflationsbereinigt sogar um 0,8 Prozent. Damit büßten die Beschäftigten erneut real an Lohn ein - zum sechsten Mal in Folge.

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