Der wieder interessante Kleinsparer

31.07.2008 / Von Kurt Stenger, Neues Deutschland

Das hat es seit Jahren nicht mehr gegeben, dass Banken Kleinanlegern über fünf Prozent Zinsen für Termingeld mit Laufzeit von zwölf Monaten bieten. Die Geldhäuser zahlen nicht etwa als Ausgleich für die gestiegene Inflation mehr. Vielmehr benötigen sie flüssige Mittel, denn seit dem Ausbruch der Kreditkrise herrscht Misstrauen und man leiht sich gegenseitig kaum noch Geld.


Vor der Bankenkrise war der Kleinsparer dagegen uninteressant. Filialen wurden geschlossen, der Service verschlechterte sich. Das margenschwache »Massengeschäft«, so der abschätzige Szene-Begriff, überließ man den Sparkassen und Genossenschaftsinstituten. Die private Klientel sollte so vermögend sein, dass man ihr auch komplizierte Finanzprodukte andrehen kann, für die man üppige Provisionen kassiert. Die Banken selbst stürzten sich ins globale Investmentgeschäft, wo üppige Renditen winkten – die damit verbundenen Risiken wurden ignoriert oder man begriff sie nicht.

Das Platzen der von Banken rund um den Globus aufgeblasenen Blase mit üppig verzinsten US-Hypothekenanleihen hat für etwas mehr Vorsicht gesorgt. Aber nur vorübergehend, denn der Schock sitzt nicht wirklich tief. Zum einen ist die hiesige Finanzbranche mit einem blauen Auge davongekommen. Zwar muss man einige Löcher stopfen, doch zuvor hatte man mit den Spekulationen auch hohe Gewinne eingefahren. Zum anderen hat sich wieder bestätigt, dass Notenbanken, Regierungen und Steuerzahler als Feuerwehr bereitstehen.

Das Gefährliche an der aktuellen Krise ist nicht, dass sich gewaltige fiktive Finanzwerte in Luft auflösen, sondern dass die Politik nicht reagiert: mit wirksamen Kontrollen der Finanzmärkte, strengeren Bilanzierungsvorschriften für Banken und einem multilateral abgestimmten Weltwährungssystem. Irgendwann schaltet die Finanzwelt dann wieder auf Business as usual um – und die nächste Spekulationsblase entsteht.

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