Deutsche Mythen blockieren Weg aus Euro-Krise

Standpunkt von Suleika Reiners (WFC)

20.01.2013 / euractiv.de, 18.01.2013

"Deutschland ist ein Musterland." "Die Südländer können nicht mit Geld umgehen." "Das Inflationsgespenst geht um." Diese und weitere Mythen thematisierte Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Wirtschaftsweise), vergangenen Mittwoch im Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). Dort stellte er sein Buch "Zurück zur D-Mark? Deutschland braucht den Euro" vor. Die Stiftung World Future Council (WFC) begrüßt die Streitschrift, da sie mit gängigen Mythen aufräumt und den Weg zu Lösungen eröffnet.

Die Folgen deutscher Exportdominanz


Bofinger betont, dass Deutschland kein nachzuahmendes Musterland ist. Die deutsche Maxime der Exportdominanz "Erziele einen Leistungsbilanzüberschuss" ist nicht verallgemeinerbar, weil sie auf Defizitländer angewiesen ist: Denn der einen Überschüsse sind der anderen Defizite und Schulden. Weiter zeigt er: Spanien und Irland wiesen bis zur Finanzkrise sogar Haushaltsüberschüsse auf. Die Schuldenstandsquote lag mit rund 42 Prozent (Spanien) und knapp 29 Prozent (Irland) bis 2007 weit unter der 60-Prozent-Grenze des Maastrichter Vertrags. Selbst Griechenland krankte vielmehr an einem Einnahmenproblem als an den Ausgaben.

Die Finanzkrise, verbunden mit geplatztem Immobilienboom und Bankenrettungen, habe viele Länder tief in die Staatsverschuldung geführt. Umso absurder sei daher der Ruf, dass eben diese Finanzmärkte Staaten disziplinieren sollen.

Absurde Furcht vor Inflation


Nicht minder absurd ist die Furcht vor der Inflation. Zum einen können wir das Inflationsgespenst getrost vergessen, weil die Signale auf Deflation weisen. Zum anderen, so Bofinger, sollten wir die Deflation viel mehr fürchten. Sie sei in der deutschen Geschichte weit schädlicher gewesen. Anfang der 30er Jahre hatte der damalige Reichskanzler Heinrich Brüning die deutsche Wirtschaftskrise mit seiner Spar- und Lohnsenkungspolitik massiv verschärft.

Auch der Eindruck Euro=Teuro trage zur D-Mark-Nostalgie bei. Dabei, belegt Bofinger, ist die deutsche Inflationsrate seit 1999 geringer als zu Zeiten der Bundesbank-Autonomie. Ein Zurück zu nationalen Währungen würde diese sehr viel stärker von den Finanzmärkten abhängig machen.

Es sind derlei Mythen, die den Weg aus der Eurokrise blockieren. Bofingers Buch ist ein Beitrag, um diese Mythen zu überwinden. Zu den Bausteinen für eine zukunftsfähige Euroraum-Architektur gehören gemeinsame Eurobonds, eine gemeinsame Steuerpolitik und eine Geldpolitik, die Finanzblasen entgegenwirkt und die Realwirtschaft fördert.

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