Prognostizierte Bankenkrise für Sparkassen und Volksbanken entbehrt jedweder Grundlage

28.07.2020 / Tobias Bank und Axel Troost

„Das aktuell vom IWH gezeichnete Krisenszenario für die genossenschaftlich organisierten Volksbanken und die kommunalen Sparkassen ist reine Panikmache und entbehrt realer Grundlagen.“ kommentierten die Mitglieder des Parteivorstandes der LINKEN, Dr. Axel Troost und Tobias Bank, die aktuelle Diskussion um coronabedingte Kreditausfälle in einigen Finanzmedien und die daraufhin erwartete Bankenkrise.

Die beiden LINKEN recherchierten in mehreren Bundesländern, bei Volksbanken und bei den Dachverbänden der Sparkassen, um vor allem bei den mit den Kommunen eng verbandelten Sparkassen zu überprüfen, wie die wirtschaftliche Situation und wie hoch die Krisenanfälligkeit der Sparkassen tatsächlich ist.

„Wir haben festgestellt, dass die Studie des IWH und die reißerischen Artikel darum unseriöse Übertreibungen sind, die ganz anderen Zielen zu dienen scheinen. Unserer Recherche nach haben die 875 Volksbanken und die 376 Sparkassen nicht nur aus der Finanzkrise von 2008 gelernt sondern schon immer entsprechende Rücklagen und Sicherheiten geschaffen. Auch deren Bilanzen sehen im Großen und Ganzen gut bis sehr gut aus.“ meinte Tobias Bank, einer der Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Kommunalpolitik der LINKEN. „Deswegen haben die Verbände der Sparkassenorganisation die Studie des IWH auch zurecht zurückgewiesen.“

„Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband erklärt hierzu, dass die Belastungen für Banken und Sparkassen durch coronabedingte Kreditausfälle derzeit noch nicht seriös prognostizierbar sind, aber selbst bei einem schlechten Szenario die Sparkassen diese gut verkraften können. Dies bestätigten auch Stichproben bei unterschiedlichen Kreditinstituten.“ so Axel Troost, der auch Geschäftsführer der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik ist. Zudem zeigen die Corona-Stresstests der Bankenaufsicht (BaFin Und Bundesbank). dass die kleinen Kreditinstitute selbst bei einer Rezession von rund -11% weiterhin gut kapitalisiert wären und nimmt man die Ausgangsannahmen des IWH selbst, dann würden bei - 9% Rezession die Kreditausfälle von 100% Kreditbestand aktuell von rund 1% auf dann 2 bis 3% steigen. Das wäre etwa die Größenordnung, die bei französischen oder österreichischern Banken normal ist und läge weit unter der Situation in den südeuropäischen Banken.

„Die Stabilität der Sparkassen bestätigt im Übrigen aktuell auch die Ratingagentur Moody’s, die erst vor einigen Tagen auf die starken Kapitalquoten der Institute verwiesen hat. Die Betrachtungsweise des IWH vernachlässigt zum wiederholten Male das Reaktionsvermögen der Sparkassen und deren betriebswirtschaftliche Stärke.” sagte Tobias Bank, der ehrenamtlich und gewähltes Mitglied eines kommunalen Sparkassengremiums ist.

„Ein Großteil der betroffenen Kredite seien ohnehin durch Immobilienkredite gedeckt, die weniger krisenanfällig sind, und generell würden weit weniger als die Hälfte der Kredite überhaupt in die vom IWH vermutete Kategorie fallen. Auch sog. Stresstests wurden von einem Großteil der Sparkassen bisher mit Bravour bestanden. Es drängt sich daher der Eindruck auf, dass davon abgelenkt werden soll, dass es vor allem die privaten Kreditbanken sind, die am gefährdetsten sind. Möglicherweise sollen die Sparkassen und Genossenschaftsbanken hier als Transmissionsriemen für die private Bankwirtschaft herhalten und ein neues privates Bankenrettungspaket rechtfertigen.“ sind sich Troost und Bank einig.

Wie allgemein bekannt, steht es beispielsweise um die vor allem in den USA beheimatete Deutschen Bank, die Commerzbank oder den inzwischen insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard nicht besonders gut.

„Ein besonderes Geschmäckle hat zudem, dass in einem prominenten Online-Magazin der Artikel dazu mit „Surftipps” zum expliziten Kündigen von Konten bei Sparkassen und Volksbanken gespickt ist. Der Leiter des IWH macht unterdessen - „wie immer, wenn er sich zu Sparkassen oder Volksbanken äußert“ schon Vorschläge an das Bundesfinanzministerium und die Finanzaufsicht zur „Abwicklung” von Banken und schlägt vor, frühzeitig „Testamente” für Banken zu erstellen sowie „Restrukturierungen” und „Übernahmen” vorbereiten. In diesem Zusammenhang wird nicht einmal das Wort „Privatbank” genannt, dafür jedoch die Sparkassen und Volksbanken. Das ist mehr als Tendenziös.“ Interessant ist auch, dass nach besagter IWH-Studie vor allem die Privatbanken unter der Krise leiden werden. Erst durch eine trickreiche Annahme, werden Sparkassen und Volksbanken ins schlechte Licht gerückt.

Selbstverständlich wird davon ausgegangen, dass auch bei den Sparkassen und Volksbanken in diesem und dem kommenden Jahr corona- bzw. konjunkturbedingt mehr Abschreibungen auf die Kreditbestände vorgenommen werden müssen, jedoch sind diese weit entfernt von einer Existenzbedrohung. Anfang Juli 2020 bestätigte die private Ratingagentur Moodys, dass die Sparkassen acht bis neun Milliarden Euro an Kredit-Risikovorsorge aus ihren Einnahmen bilden könnten. Selbst wenn man den Sparkassen und ihren kommunalen Vertreter*innen nicht glauben möchte, so wären doch Aussagen der für seine sozialistische Ausrichtung nicht bekannten Ratingagentur Moodys ein Zeichen für die sehr übertriebene Darstellung des IWH in Bezug auf die kommunalen Sparkassen und die genossenschaftlich organisierten Volksbanken.

Zum Hintergrund:

Am 13. Juli 2020 erschien ein wenig von der Öffentlichkeit beachteter Artikel im „Wirtschaftskurier”, der coronabedingt eine neue Bankenkrise prognostiziert. Der Autor bezieht sich darin auf eine am 6. Juli 2020 mit dem Titel „The Corona Recession and Bank Stress in Germany“ erschienene Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH), welche vor allem Sparkassen und Volksbanken als Opfer der Krise ausmacht. Hintergrund sollen die ausbleibenden Kreditrückzahlungen kleinerer Unternehmen sein, die bis zu 28% der deutschen Banken in Existenznöte bringen könnten. Sparkassen und Genossenschaftsbanken seien deswegen von den Kreditausfällen besonders betroffen, weil sie ihr Geld meist an Unternehmen verleihen, die klein und damit generell krisenanfälliger sind als Großunternehmen und, weil diese Unternehmen öfter solchen Branchen angehören, die vom Corona-Lockdown schwer getroffen wurden. Außerdem haben Sparkassen und Volksbanken den überproportional höchsten Anteil an Kreditvergaben im Rahmen der Corona-Finanzhilfen. Die vom Ausfall bedrohten Kredite belaufen sich im optimistischen Szenario auf 127 Milliarden Euro und im pessimistischen Szenario auf 624 Milliarden Euro, heißt es in der Studie. Diese sei nach Aussagen eines Pressesprechers des IWH „für Entscheider im Bundesfinanzministerium” geschrieben und generell nur auf Englisch zu bekommen.

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