Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise

11.01.2010 / Rosa-Luxemburg-Stiftung

Die Finanzkrise wütet, und die Regierungen haben sich nach einigem Zögern daran gemacht, das Problem anzugehen. Verängstigten oder auch nur beunruhigten Bürgern wird ein Ende des »ungezügelten Kapitalismus« versprochen. Manch Laie oder Experte erhofft sich das Ende des »Casino-Kapitalismus«, ein Ende des »freien«, »freigelassenen« oder gar »losgelassenen« Marktes. Die »Rückkehr des Staates« an die Finanzmärkte soll für Ruhe sorgen.

Solche Interpretationen greifen entschieden zu kurz. Die Krise des neoliberalen Finanzmarkt-Kapitalismus ist in seinem Zentrum ausgebrochen und hat eine zentrale systemische Ursache: Sie wurde ausgelöst durch eine bisher nicht gekannte Verselbständigung der Finanzsphäre gegenüber den anderen wirtschaftlichen Bereichen und die Einbeziehung aller gesellschaftlichen Bereiche in spekulative Finanzgeschäfte jenseits jeglicher Möglichkeit gesellschaftlicher bzw. staatlicher Gestaltung.

Erstmals in der Geschichte verbinden sich eine globale Finanz- und Wirtschaftskrise mit einer globalen ökologischen Krise und der Krise der elementarsten Lebensgrundlagen der Menschheit. Staatenzerfall und imperiale Tendenzen führen zu Kriegen und erhöhen die Gefahr atomarer Konflikte. Die Krisen beschränken sich nicht nur auf die inneren und äußeren Peripherien – diesmal trifft es das Zentrum des neoliberalen Finanzmarkt-Kapitalismus. Die Tiefe der Krisen spricht nicht für eine zyklisch-konjunkturelle, sondern eine lang anhaltende strukturelle Krise.

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