Fair sieht anders aus - Plakate Weimarer von Bauhaus-Studenten

31.05.2008 / Von Gerlinde Sommer, Thüringische Landeszeitung

"Wenn es um Geld geht, gibt es nur ein Schlagwort: MEHR!" Dieser Satz stammt von André Kostolany, dem mittlerweile verstorbenen Börsen-Guru.

Mehr wollen alle. Gerade auch die, die schon alles haben. "Glauben Sie mir, ab einem gewissen Reichtum ist Glücklichsein deutlich schwerer", warnt Hasso Plattner, SAP-Mitbegründer. Sein Jahreseinkommen wird mit etwa 40 Millionen Euro angegeben. Sein Unglück muss bedrückend sein ...

Professor Werner Holzwarth, der an der Bauhaus-Uni in Weimar Visuelle Kommunikation lehrt, stellt folgende Überlegung an: Dem deutschen Armutsbericht zufolge beträgt das Durchschnittseinkommen eines Singles etwa 1700 Euro netto, das einer vierköpfigen Familie 3600 Euro. "Josef Ackermann erhielt 2007 Bezüge in Höhe von circa 14 Millionen Euro, Herr Zetsche 10 Millionen, Herr Reitzle 8 und die Nummer 20 der Spitzenreiter im Dax, Herr Müller von der Commerzbank, immerhin noch 2, 7 Millionen." So gesehen müsste ein durchschnittlicher Familienvater etwa 160 Jahre arbeiten, um das zu verdienen, was ein Herr Ackermann in einem Jahr verdient, rechnet Holzwarth vor und unterstellt dabei einen Steuersatz von 50 Prozent.

Haben Jo Ackermann und die anderen das verdient? Wieviel haben Topmanager überhaupt verdient? Gibt es eine Obergrenze, die zu überschreiten unmoralisch, unsozial ist? Maximal das 100-fache des Gehalts eines einfachen Arbeiters im gleichen Unternehmen: Das hat der evangelische Bischof und EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber gefordert. Das 50-fache, sagt der Sozialverband VdK. Nur 20 Mal so viel, meint Oskar Lafontaine.

"Von mir aus kann einer so viel verdienen wie er will, solange mit den Bezügen auch seine soziale Verantwortung steigt", sagt Holzwarth, der mit seinen Studierenden immer wieder für soziale Fragen Kampagnen entwickelt. Esser, Schrempp oder Ackermann seien ihm "nicht als besondere Wohltäter bekannt". Wie aber sehen das junge Leute? Holzwarth bat Studierende darum, ihre Ansichten in Form von Plakaten oder Anzeigen umzusetzen - das Ergebnis ist bezeichnend: Deutlich zeigt sich, dass nicht Reichtum um jeden Preis als geil empfunden wird von denen, die die neue Elite bilden sollen. Ist es Neid, der aus ihren Werken spricht? Oder Verantwortungsgefühl? Diese Überlegung bringt es auf den Punkt: "Ein Wissenschaftler muss 238 Jahre forschen, um das zu verdienen, was er als Top-Manager eines Autoherstellers in nur einem Jahr bekommen würde. Fair sieht anders aus."


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