Welttag der Pressefreiheit: 2007 - 95 ermordete Journalisten

Forderung nach unabhängigen Medien zum »Internationalen Tag der Pressefreiheit«

03.05.2008 / Von Hanno Harnisch, Neues Deutschland

Zum heutigen internationalen Tag der Pressefreiheit gibt es Appelle, Aktionen und neue Zahlen, aus New York, Berlin und Straßburg. Allein für das Jahr 2007 listet die Organisation »Reporter ohne Grenzen« 1172 Übergriffe, 870 inhaftierte und 95 ermordete Journalisten auf.

In New York appellierte der UN-Generalsekretär, Ban Ki Moon, Anschläge auf Journalisten nachdrücklich zu verfolgen und entschieden zu bestrafen. »Freie, sichere und unabhängige Medien sind eine der Grundlagen für Frieden und Demokratie«, sagte er in Sorge, dass Journalisten rund um die Welt zunehmend Ziel von Anschlägen sind.

Morde an Journalisten bleiben in vielen Ländern unaufgeklärt. Laut dem Komitee zum Schutz von Journalisten steht Irak mit 79 unaufgeklärten Fällen an der Spitze der Negativliste, gefolgt von den Philippinen (24), Kolumbien (20) und Russland (14). Insgesamt gab es dem Bericht zufolge 13 Länder, in denen während der vergangenen zehn Jahre fünf oder mehr Journalisten ermordet wurden, ohne dass die Täter zur Rechenschaft gezogen wurden.

Nach Recherchen der Journalistenorganisation »Reporter ohne Grenzen« sind derzeit 130 Journalisten in 32 Ländern aus politischen Gründen in Haft. Besonders China steht in der Kritik. »In über 30 Ländern ist die Pressefreiheit nur zwei mal drei Meter groß«, steht auf einer nachgebauten Gefängniszelle, die Aktivisten von »Reporter ohne Grenzen« gestern auf dem Potsdamer Platz in Berlin aufbauten. Manche Journalisten seien bereits seit Jahrzehnten hinter Gittern, so ein Libyer seit 1973, ein Kollege aus Birma seit 18 Jahren.

Seit 2001 erstellen »Reporter ohne Grenzen« jährlich eine Liste zum Stand der Pressefreiheit. 21 Staatschefs werden in diesem Jahr wegen massiver Verstöße gegen die Pressefreiheit angeprangert. Die prominentesten sind Hu Jintao (China), Wladimir Putin (Russland) und Alexander Lukaschenko (Weißrussland).

Auch vor einer Aushöhlung der Pressefreiheit in Deutschland wurde gewarnt. Nicht das Leben oder die Freiheit der Journalisten seien hier gefährdet, »wohl aber die freie Recherche und Berichterstattung«, erklärte der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Michael Konken, gestern in Berlin. Unter dem Deckmantel des Anti-Terror-Kampfes würden zunehmend Informantenschutz und Redaktionsgeheimnis eingeschränkt. In Straßburg beklagte der Generalsekretär des Europarats, Terry Davis, gravierende Einschränkungen der Pressefreiheit in Ländern Europas, so bei den jüngsten Wahlen in Russland.

Seit heute ist das Buch »Nahtstellen – Fotos für die Pressefreiheit 2008« zu erwerben, dessen Entstehen von vielen Medien Deutschlands unterstützt wurde, so auch von »Neues Deutschland«.

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