SIND DIE MANAGER IHR GELD WERT?

Thesen zu den Hintergründen und Reformvorschläge [Aufsatz von 2004]

28.04.2008 / Rudolph Hickel, Institut Arbeit und Wirtschaft (iaw), gekürzte Fassung erschienen in: Blätter für deutsche und internationale Politik 10/2004

Auszug (Text nachstehend zum herunterladen):

"2. Versuche einer rationalen Rechtfertigung der Managergehälter: Zum Scheitern verdammt

Bei derart hohen Topgehältern, die sich von der normalen Lohnentwicklung in rasanter Fahrt nach oben abgesetzt haben, stellt sich die Frage, inwieweit sich diese Klassenspaltung ökonomisch rechtfertigen lässt. Gibt es eine Erklärung für die exorbitante Spanne zwischen dem Gehalt für den Chef der Deutschen Bank und der dort beschäftigten, hoch motivierten Bankfachfrau? Die Antwort ist eindeutig. Mit den Regeln des normalen Arbeitsmarktes, also aus dem Zusammenwirken von Nachfrage und Angebot nach Managern, sind deren Toplöhne nicht zu erklären. Auch die internationale Mobilität, die ansonsten für Standortscheidungen reklamiert wird, funktioniert nicht. Wie sonst ist zu erklären, dass trotz erheblich höherer Vergütungen in den USA eine Wanderung deutscher Manager kaum zu beobachten ist. Vielmehr versuchen einige deutsche Manager die Topentlohnung aus den USA nach Deutschland zu importieren. Die Erklärung der Nachfrage nach Arbeitskräften entsprechend der Grenzproduktivitätstheorie, mit der ansonsten Lohnbeschränkungen gefordert werden, versagt total. Danach ist der Einsatz einer zusätzlichen Arbeitskraft gewinnoptimal, wenn die (reale) Entlohnung dem Grenzprodukt entspricht. Wer will ernsthaft behaupten, die Vergütung von Ackermann oder Schrempp ließe sich mit ihrem Beitrag zur (zusätzlichen) Wertschöpfung erklären? Jedenfalls gilt der Grundsatz „leistungsgerechter Entlohnung“ auf den Chefetagen nicht. Wie die kluge Ökonomin Joan Robinson bissig anmerkte, die Formel Entlohnung nach Leistung wird auf den Kopf gestellt. Wer viel verdient, der leistet viel und wenn er noch mehr verdient, dann ist das ein Zeichen für zusätzliche Leistung. Jedenfalls ist es rein physisch nicht möglich, dass der Wertschöpfungsbeitrag von Josef Ackerman entsprechend seinem Gehaltsabstand um das 380-fach höher liegt als der des Arbeitnehmers. Schließlich wird der Krankenschwester oder dem Stahlarbeiter eine extrem hohe Leistung abgefordert, freilich ohne eine ausreichende Berücksichtigung bei der Entlohnung. Die leistungsorientierte Entlohnung offenbart sich als Ideologie zur Rechtfertigung der Spaltung bei der Entlohnung zugunsten der Kapitalfunktionäre."
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Quelle: Internetseite von Rudolph Hickel

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