Frühjahrsgutachten: Thema verfehlt. Sechs. Setzen.

Zum heute vorgestellten Frühjahrsgutachten der führenden Wirtschaftsinstitute erklärt das Mitglied des Geschäftsführenden Parteivorstandes Ulrich Maurer:

19.04.2008

Die Wirtschaftsforscher haben erneut ihr Ritual zelebriert: Mindestlöhne, höhere Renten und höhere Staatsquote – alles falsch, Lohnzurückhaltung – richtig, und das Schreckensszenario "Abkehr vom Reformkurs" an die Wand gemalt.

Der Starrsinn ist beeindruckend: Da rauscht durch die Republik eine Welle der Kritik an wachsender sozialer Ungerechtigkeit, da explodieren Kinderarmut, Leiharbeit und Niedriglohnsektor, weltweit zeichnen sich Hungerkatastrophen ab - und die hehren, von der Regierung hoch bezahlten Wissenschaftler interessiert es nicht. Agenda 2010 ist die Zukunft der Nation. Schlagender kann man die Verselbständigung einer bestimmten Sorte ökonomischer Wissenschaft gegenüber der ansonsten gern bemühten "Wirklichkeit" nicht demonstrieren.

Immerhin bringt die weltweite Finanzkrise die Ökonomenzunft zum Nachdenken. Umwerfende Botschaft: Sie ist noch nicht ausgestanden. Man hätte erwartet, dass der geballte Sachverstand den Menschen Einschätzungen liefert, ob das dicke Ende noch bevorsteht. Fehlanzeige.

Da sehnt man sich doch den Kenntnisreichtum namhafter US-Experten mit dichterer Bodenberührung herbei, die - gestützt auf präzise Analysen über Immobilienmärkte in USA und Großbritannien und über sich auftürmende Risiken im Versicherungssektor – die schwerste Rezession seit dem 2. Weltkrieg vorhersagen. Welche Konsequenzen diese Entwicklung hierzulande haben kann, und wie darauf präventiv zu reagieren wäre, wäre eigentlich der Auftrag des Geldgebers unserer Ökonomen gewesen. So bleibt nur das Fazit: Thema verfehlt. Sechs. Setzen.

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Pressemitteilung Ulrich Maurer, geschäftsführender Parteivorstand, DIE LINKE.

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