Nettolohnverlust in den letzten drei Jahren von 3,5 Prozent

Inflation in Deutschland frißt Lohnzuwächse auf

05.03.2008 / Von Eric Ashar, Berliner Umschau

Auch wenn die Konjunktur in Deutschland brummt und Manager sensationelle Gehaltszuwächse erzielen, erleiden die Menschen, die die Werte schaffen Reallohneinbußen. Schon das vierte Jahr in Folge ist das so. Schuld daran ist neben der Raffgier der Manager auch eine immer mehr um sich greifende Inflation, gegen die die Politik einfach nichts macht.
Die Tariflöhne sind zwar im Schnitt in den letzten Jahren leicht gewachsen - aber die Preise stiegen noch viel schneller. Erste Erinnerungen an die Hyperinflation von 1922-1924 werden da im Volk wach. Schon einmal hatte damals eine deutsche Regierung ihre Staatsverschuldung somit senken wollen. Dies steht zwar heute so nicht zu erwarten, doch selten sind die Preise in der Bundesrepublik so stark gestiegen wie derzeit. Denn zwischen Januar 2007 und Januar 2008 stiegen die Preise immerhin um stolze 2,8 Prozent.

Nach ersten Ergebnissen der sogenannten Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) sind die Bruttodurchschnittsverdienste aller Arbeitnehmer in Deutschland im Jahr 2007 um 1,4 Prozent auf 27.083 Euro gestiegen. Die Tariflöhne nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank erhöhten sich 2007 sogar nur um 1,3 Prozent. Im Vergleich zur Inflationsentwicklung fast ein Witz. Seit 2003 sind die Brutto-Entgelte aller deutschen Arbeitnehmer um 3,2 Prozent gestiegen. Aber eben nur die Brutto-Gehälter.

Vom aktuellen wirtschaftlichen Aufschwung der vergangenen drei Jahre haben jedoch in Deutschland viel weniger Menschen profitiert als im letzten Aufschwung von 1998 bis Anfang 2001. Der Zuwachs an Wirtschaftsleistung ist dieses Mal ganz überwiegend den Beziehern von Gewinn- und Vermögenseinkommen zugeflossen. Die realen Nettolöhne je Beschäftigtem sind dagegen im aktuellen Aufschwung sogar um 3,5 Prozent gesunken. Das sind Ergebnisse einer neuen Studie, die das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Dienstag vorstellte. Zwischen 1998 und 2001 seien die realen Nettolöhne noch um vier Prozent gestiegen.

„Der von vielen als Belohnung für Lohnzurückhaltung und Arbeitsmarktflexibilisierung versprochene erhebliche zusätzliche Beschäftigungsanstieg hat sich nicht eingestellt“, sagte der Wissenschaftliche Direktor des IMK, Prof. Dr. Gustav A. Horn. „Für die große Mehrheit der Bevölkerung hat der Begriff Konjunkturaufschwung eine neue Qualität bekommen: Wachstum ohne Einkommenszuwachs“, so Horn. Das IMK sieht angesichts der einseitigen Einkommensentwicklung nur geringe Chancen für einen Schub beim Konsum, der nach den Analysen vieler Forscher die Konjunktur in diesem Jahr antreiben muß, um einen baldigen Abschwung zu verhindern.

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