Axel Troost

DIE LINKE.
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Ein Arbeitsleben mit Niedriglohn reicht nicht für die Rente

Ein durchschnittlicher Niedriglohnbeschäftigter hat keine Chance, mit seinen Beiträgen eine Rente über der Grundsicherung zu erzielen - auch nicht mit 45 Beitragsjahren.

Böckler Impuls 8/2009, Hans Böckler Stiftung
Böckler Impuls 8/2009
Böckler Impuls 8/2009

Im kommenden Jahr sollen die Renten nicht gekürzt werden, hat die Bundesregierung beschlossen - auch wenn die durchschnittlichen Bruttolöhne rechnerisch durch die weit verbreitete Kurzarbeit sinken dürften. Das stabilisiert die Einkommen der 20 Millionen Rentner in der Konjunkturkrise. An einem längerfristigen Erosionsprozess der Alterssicherung wird es hingegen wenig ändern, zeigt WSI-Tarifexperte Thorsten Schulten in einer neuen Analyse: Durch die Rentennovellen der vergangenen Jahre ist das Rentenniveau im Vergleich zum Lohnniveau abgesenkt worden. Zudem stiegen die Löhne im vergangenen Jahrzehnt nur relativ langsam - deutlich weniger als die Kapital- und Vermögenseinkommen. So sind "auch die Renten hinter der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung zurückgeblieben", schreibt der Wissenschaftler.

Ablesen lässt sich die schwache Lohnentwicklung an den inflationsbereinigten Arbeitskosten, die sich aus den Löhnen und dem Arbeitgeberanteil an den Lohnnebenkosten addieren: Sie sind in Deutschland zwischen 2000 und 2007 leicht zurückgegangen, während sie in den anderen EU-Staaten stiegen. Ein Grund dafür war der rapide wachsende Niedriglohnsektor in Deutschland: Während 1995 rund 15 Prozent der Beschäftigten weniger als zwei Drittel des mittleren Stundenlohns verdienten, waren es zehn Jahre später bereits 22 Prozent, wie das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) ermittelt hat. Was die Forscher außerdem herausfanden: Nur wenigen Geringverdienern gelingt der Aufstieg aus der prekären Lohnzone; zwischen 2000 und 2005 schafften es lediglich 15,4 Prozent. Dies hat "die Finanzierungsgrundlagen der gesetzlichen Rentenversicherung erheblich eingeschränkt", so Schulten.

Wie groß das Risiko von Altersarmut im Niedriglohnbereich ist, macht eine Modellrechnung deutlich, die Johannes Steffen, Sozialexperte der Arbeitnehmerkammer Bremen, für Schultens Analyse angestellt hat: Die Grundsicherung im Alter, die Bedürftige über 65 Jahren bekommen, beträgt derzeit 676 Euro. Um eine Nettorente auf diesem Niveau zu erhalten, müsste ein Vollzeitbeschäftigter 45 Jahre lang mindestens 9,47 Euro brutto pro Stunde verdienen und darauf Beiträge bezahlen. Tatsächlich erhielten westdeutsche Niedriglohnbeschäftigte 2006 laut IAQ im Durchschnitt aber 6,89 Euro pro Stunde, im Osten waren es 4,86 Euro. Für eine ergänzende private Altersvorsorge fehlt Geringverdienern das Geld. Und Betriebsrenten sind selten in den kleinen Betrieben, in denen besonders viele Niedriglöhner arbeiten. Die Folge: Selbst bei einem bruchlosen Erwerbsleben ohne längere Arbeitslosigkeit - in Niedriglohnjobs eher die Ausnahme - werden Geringverdiener im Ruhestand auf staatliche Unterstützung angewiesen sein.

Der Wissenschaftler rät, das Problem aus zwei Richtungen anzugehen. Einerseits könnten gesetzliche Mindestrenten oder eine Höherbewertung von Niedrigeinkommen bei der Rentenberechnung eine Eigenheit des deutschen Rentensystems abstellen, die Niedriglohnverdienern zusätzlich zu schaffen macht: In Deutschland bekommen sie im Alter weniger vom früheren Lohn als andere Rentner. Wer beispielsweise halb so viel wie der Durchschnitt verdient, erhielt 2004 lediglich rund 53 Prozent seines Nettoentgeldes als Rente - viereinhalb Prozentpunkte weniger als ein Durchschnittsverdiener. In anderen europäischen Ländern wird diese Quote für Geringverdiener aufgestockt: Die Spanne reicht von 66 Prozent in Großbritannien bis zu knapp 133 Prozent in Dänemark. Finanzieren ließen sich solche Verbesserungen, wenn die Beitragsbemessungsgrenze erhöht oder gestrichen würde und auch Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen müssten, so Schulten.

Zum anderen müsse die "weitere Reformdebatte nicht nur das Rentensystem, sondern vor allem das Lohnsystem in den Blick nehmen", schreibt der WSI-Forscher. Mindestlöhne sowie ein "umfassendes Reformprogramm zur Ent-Prekarisierung und Re-Stabilisierung von Beschäftigungsverhältnissen" würden einen wichtigen Beitrag dazu leisten, das Risiko wachsender Altersarmut zu entschärfen.

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Thorsten Schulten: Guter Lohn für gute Rente, erscheint demnächst in einem Sammelband zur Rentenpolitik.


22.08.2010: Das Rentensystem muss stabil und verlässlich sein
"Sigmar Gabriel geht einen mutigen Weg! Die Aufarbeitung der Regierungszeit ist für die SPD ein schmerzlicher Prozess. Die Rentenkürzungen waren ein Hauptgrund für die Niederlage der SPD bei der letzten Bundestagswahl. Wenn die SPD die Kraft findet, diesen Fehler zu korrigieren, dann würde sie vielen Menschen die Angst vor dem Alter in Armut nehmen." weiter ...
Gesine Lötzsch, Vorsitzende der Partei DIE LINKE
20.08.2010: Eine Regierungskommission gegen Altersarmut ist überflüssig
Gesine Lötzsch (DIE LINKE.), Pressemitteilung
"Warum bildet die Bundesregierung für bestimmte Probleme erst eine Kommission und warum kann sie andere Probleme ohne weiteres an einem Wochenende klären? Diese Frage ist einfach zu beantworten: Regierungskommissionen werden gebildet, wenn man Probleme nicht lösen will. Gegen die Altersarmut helfen keine Kommissionen, sondern nur klare Entscheidungen von Regierung und Parlament." weiter ...
18.08.2010: Antwortschreiben Matthias W. Birkwald auf den Offenen Brief des Sozialverbandes Deutschland - SoVD an die Mitglieder des Deutschen Bundestages
Matthias W. Birkwald - Rentenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion DIE LINKE.
"In den vergangenen zehn Jahren haben die Bundesregierungen nach dem Motto „Jede Arbeit ist besser als keine Arbeit“ den Niedriglohnsektor massiv ausgebaut und gleich­zeitig die gesetzliche Rentenversicherung zu Gunsten einer weder wünschenswerten noch für die Einzelnen wirksamen privaten Alterssicherung demontiert. Mini-Jobs, Leih­arbeit, Ein-Euro-Jobs und die Kürzungsfaktoren in der Rentenformel (insbesondere Riester-Faktor und Nachholfaktor, aber auch der Nachhaltigkeitsfaktor) sowie die Rente erst ab 67 sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. " weiter ...
vom 30.07.2010
14.08.2010: Das wahre Motiv für die Erhöhung des Renteneintrittsalters bleibt meist verborgen: es ist schlicht ein Verkaufsargument.
Nachdenkseiten
Das wichtigste Verkaufsargument der Versicherungsagenten für die Privatvorsorge ist die angeblich mangelhafte Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente, also der Hinweis darauf, dass die Rente nur noch 50 % oder gar nur noch 40 % oder noch weniger ausmacht, wenn der von der Privatvorsorge-Propaganda Angesprochene in Rente gehen will. Die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente ist systematisch vermindert worden – durch Nullrunden, den Nachhaltigkeitsfaktor usw. Die Erhöhung des Renteneintrittsalters war dann ein besonders großer Schritt bei der bewusst betriebenen Erosion des Vertrauens in die gesetzliche Rente. weiter ...
Von Albrecht Müller, Nachdenkseiten
14.08.2010: „40 Prozent“: Eine Tabelle zur Beschäftigung im Alter von 60 bis unter 65 Jahren
BIAJ-Kurzmitteilung
" ... wenn Welt-Online am gestrigen 11. August schreibt: „Die Ministerin gab allerdings zu, dass heute - trot Verbesserungen - nur 40 Prozent der 60- bis 64-Jährigen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.“ 2, oder der Weser-Kurier am selben Tag: „Nach ihren Angaben ist ... der Anteil der 60 bis 64 Jahre alten Arbeitnehmer ... auf 40 Prozent gestiegen.“3, dann haben die Journalisten die Ministerin offensichtlich falsch verstanden oder abgeschrieben. Und sie haben nicht nachgefragt." weiter ...
Von Paul M. Schröder (Verfasser), Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe e.V.
12.08.2010: Wiederaufbau
Von Fabian Lambeck, Neues Deutschland, Standpunkt
"Der Sozialverband Deutschland (SoVD) zeichnet in seinem Positionspapier ein düsteres Bild vom Zustand der sozialen Sicherungssysteme. Seit der Umsetzung der Hartz-IV-Reformen subventioniert Vater Staat den Niedriglohnsektor alljährlich mit Milliarden. Wo kaum Beiträge fließen, droht die Unterfinanzierung der Sicherungssysteme. Zudem sponsert die Bundesregierung auch noch die Totengräber des Rentensystems: Immerhin 12,5 Milliarden Euro gibt es pro Jahr für die private Alterssicherung. " weiter ...
12.08.2010: Der kollektive Aufstand der Medien gegen die Diskussion um eine Aussetzung der Rente mit 67
Nachdenkseiten v. 11.8.2010
"Kaum gibt es in der SPD eine Diskussion über eine Anpassung des Renteneintrittsalters an die Wirklichkeit des Arbeitsmarktes und der physischen und psychischen Arbeitsfähigkeit, schon baut sich der geballte Widerstand der Medien auf. (...) " weiter ...
Von Wolfgang Lieb, www.nachdenkseiten.de
25.06.2010: Handelsblatt: "Wirtschaftskrise reißt Milliardenloch in Rentenkasse"
Lesen Sie einen Beitrag in der Onlineausgabe des Handelsblattes über die Folgen der Wirtschaftskrise und des aktuellen Sparpakets der Regierung für die Rentenkasse. weiter ...
Handelsblatt Online
05.01.2010: Alles "Riester"?
Die Umsetzung der Förderidee in der Praxis
Gutachten im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes e.V. weiter ...
Univ.-Prof. Dr. Andreas Oehler, Unter Mitarbeit von Daniel Kohlert
01.09.2009: Klaus Ernst: Die Rente mit 67 muss und kann zurückgenommen werden
Vorrangig muss der Werteverfall der Rente gestoppt werden, indem die Kürzungsfaktoren aus der Rentenformel gestrichen werden. Die Rente muss der Lohnentwicklung folgen, damit die ältere Generation nicht vom gesellschaftlichen Wohlstand abgekoppelt wird. Dies ist besonders für die heute noch jüngeren wichtig, denn sie zahlen die Zeche für die Absenkung des Leistungsniveaus in der Rente. Sie müssen privat vorsorgen. Das ist teuer und rentiert sich vielfach nicht, wie bereits heute die Renditeberechnungen aus der Riesterrente zeigen. Wir dürfen die Arbeitgeber nicht aus der paritätischen Finanzierung der Altersvorsorge entlassen. weiter ...
www.linksfraktion.de, 31. August 2009
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