29.03.2010
"Die wichtigste kommunale Einnahmequelle ist derzeit immer noch
die Gewerbesteuer. Lösungsansätze zur Verbesserung der Finanzsituation
der Kommunen müssen daher ihren Ausgangspunkt bei der Gewerbesteuer
haben", kommentiert Katrin Kunert, kommunalpolitische Sprecherin der
Fraktion DIE LINKE, die Vorschläge aus dem Bundeswirtschaftsministerium,
den Kommunen mehr Eigenverantwortung bei der Einkommens- und der
Körperschaftssteuer zu geben und den kommunalen Anteil an der
Mehrwertsteuer zu erhöhen. Kunert weiter:
"Nicht umsonst garantiert das Grundgesetz den Kommunen
eine wirtschaftskraftbezogene Steuerquelle. Die Forderung, Mehrwert- und
Einkommenssteuer stärker in die Diskussion über die Finanzierung
kommunaler Haushalte einzubeziehen, ist ein Ablenkungsmanöver, mit dem
die Pläne zur Abschaffung der Gewerbesteuer kaschiert werden sollen. Die
Diskussion muss endlich auch seitens der Regierung ehrlich, ohne
ideologische Scheuklappen und ohne Rücksicht auf die jeweilige Klientel
geführt werden."
Die aus Nordrhein-Westfalen stammende Sprecherin der Fraktion DIE LINKE
für internationale Wirtschaftspolitik, Ulla Lötzer, ergänzt: "Die von
Rainer Brüderle vorgeschlagene Ersetzung der Gewerbesteuer durch einen
höheren Anteil an der Mehrwertsteuer liegt verteilungspolitisch voll auf
der Linie der Möwenpick- Partei FDP. Den Verbraucherinnen und
Verbrauchern wird in die Taschen gegriffen, um neue Steuergeschenke an
Unternehmen und Konzerne zu verteilen. So wird den Kommunen nicht
geholfen. Hier wird öffentliche Armut verschärft, um den privaten
Reichtum der eigenen Klientel zu fördern.
Die wegen der Folgen des Strukturwandels und der hohen Arbeitslosigkeit
hoch verschuldeten Städte des Ruhrgebiets brauchen einen vom Land NRW
einzurichtenden Entschuldungsfonds. Brüderles Vorschlag ist hingegen ein
Nullsummenspiel. Durch ihn wird keine Schwimmbad- oder
Theaterschließung im Revier verhindert, solange die Bundesregierung im
Auftrag für die Gemeindefinanzreformkommission festschreibt, dass der
kommunale Anteil am Steueraufkommen nicht steigen darf."