Linksfraktion
Werner Dreibus überbringt den warnstreikenden Beschäftigten des öffentlichen Dienstes bei ihrer Abschlusskundgebung am 9. Februar in Berlin solidarische Grüße der Fraktion.
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Der Öffentliche Dienst soll die Erfüllung aller Aufgaben sichern, die
der Staat zu leisten hat – vom Finanzamt über das Krankenhaus bis zum
Justizvollzug, von der Schule über die Müllabfuhr bis zum Öffentlichen
Nahverkehr bewegt sich die Bandbreite der ureigenen Arbeitsfelder des
Öffentlichen Dienstes. Ca. 4,5 Millionen Menschen arbeiten in der
Bundesrepublik in diesem Bereich als Beamtinnen und Beamte,
Richterinnen und Richter, Rechtsreferendarinnen und Rechtsreferendare,
Soldatinnen und Soldaten oder im Angestelltenverhältnis. Mehr als die
Hälfte davon sind Frauen.
Von 1991 bis 2008 hat sich die Zahl der Beschäftigten um 2,2 Millionen
verringert. Im Vergleich mit den anderen Ländern der EU gibt
Deutschland am wenigsten Geld für Beschäftigung im öffentlichen Dienst
aus. Dabei gibt es einen enormen Bedarf an sozialen Dienstleistungen.
Wenn alle Frauen, die dies möchten, einer Erwerbstätigkeit nachgehen
würden, wären 400.000 zusätzliche Arbeitsplätze in der Kinderbetreuung
nötig. Da die Menschen immer älter werden, braucht es zudem zukünftig
rund 500 000 Altenpflegekräfte mehr. Außerdem gibt es in den Bereichen
Bildung, Kultur und Gesundheit Bedarf nach mehr sozialen
Dienstleistungen. Skandinavien kann als Beispiel dienen: in Schweden
und Norwegen arbeitet fast jede/r dritte Beschäftigte für den Staat,
das sind drei Mal mehr als in Deutschland. Hier gibt es ein wesentlich
breiteres Angebot an öffentlichen Dienstleistungen und mehr
Arbeitsplätze in diesem Bereich, insbesondere für Frauen.
In Deutschland wurden in den vergangenen Jahren wichtige Bereiche des
Öffentlichen Dienstes wie Müllabfuhr, Wasser- und Energieversorgung
oder der Nahverkehr privatisiert. Im Ergebnis wurden viele
Verkehrsverbindungen gestrichen und der Bevölkerung höhere Kosten für
Wasser, Energie und Müllabfuhr zugemutet. Die Beschäftigten sehen sich
in den meisten Fällen mit schlechteren Arbeitsbedingungen konfrontiert.
Nicht selten sinken die Löhne, während die Arbeitsbelastung steigt.
Insgesamt hat die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen 600.000
Jobs gekostet.
DIE LINKE hat sich von Anfang an gegen die Privatisierung in
diesen Bereichen ausgesprochen. Dienstleistungen, auf die alle
Bürgerinnen und Bürger angewiesen sind, müssen vom Staat erbracht
werden. Nur wenn die Dienstleistung selbst, und nicht ein hoher Profit
das Ziel ist, können faire Abfallgebühren oder auch Energiepreise die
Teilhabe aller Menschen sichern. Viele Wirtschaftsbereiche eignen sich
auch nicht für einen privaten Wettbewerb: Bei den Stromnetzen ist es
beispielsweise sinnlos und ineffizient, mehrere Hochspannungsleitungen
parallel zu verlegen. Auch bei der Post macht es keinen Sinn, wenn zehn
verschiedene Unternehmen jeweils einen eigenen Briefkasten aufstellen.
Bei solchen "natürlichen Monopolen" führt Privatisierung zu
Doppelstrukturen, Mehrkosten und höheren Preisen.
Für DIE LINKE, die einen grundlegenden sozialen, solidarischen und
demokratischen Wandel der Gesellschaft anstrebt, ist der Öffentliche
Dienst eine Dienstleistungseinrichtung für die Einwohnerinnen und
Einwohner. Der Staat nimmt den Bürgerinnen und Bürgern lästige Aufgaben
ab und macht kostengünstige Angebote. Dabei muss er Bürgerrechte
gewährleisten und den Ansprüchen an Service und Qualität gerecht
werden. Um eine solche Entwicklung zu fördern, sind nach Auffassung der
Fraktion DIE LINKE vor allem vier Schritte erforderlich:
- Wir wollen den öffentlichen Dienst ausbauen: hierfür sollen
50 Milliarden Euro jährlich in den Bereichen Bildung, Kinderbetreuung,
Gesundheit, Pflege, öffentliche Sicherheit und Kultur eingesetzt
werden. Dadurch entstehen 1 Million Vollzeitarbeitsplätze zu regulären,
tariflichen Bedingungen.
- Wir wollen gute Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst, mit guten
Arbeitsbedingungen und gerechten Löhnen. So wird auch die Motivation
der öffentlich Beschäftigten gefördert, damit sie gute, effiziente und
hilfreiche Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger erbringen
können.
- Wir wollen eine umfassende Weiterbildung der Beschäftigten, die
nicht nur auf die Beherrschung neuer Technologien und Verfahren sondern
auch auf die Verstärkung sozialer Kompetenzen zielt.
- Wir wollen ein neues Dienstrecht, das vor allem auf eine
Vereinheitlichung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten
sowie die Verankerung des Leistungsgedankens in den Laufbahn- und
Entgeltsystemen orientiert.
- Wir wollen eine Demokratisierung des Öffentlichen Dienstes. Die
Beschäftigten müssen ihre vielfältigen Ideen und Vorschläge einbringen
können. Sie bzw. ihre Personalvertretungen und die Gewerkschaften
müssen in jeder Phase gleichberechtigt mit entscheiden können.