Von Steffen Twardowski, Neues Deutschland, 25. Januar 2010
Linkspartei erneuert Forderung nach einem VerbotEine
bekannte Forderung der LINKEN erhielt jüngst erneut Auftrieb: Spenden
von Unternehmen an Parteien sollen verboten werden. Gregor Gysi betonte
im Bundestag, dass solche Zuwendungen und ihre Annahme die
parlamentarische Demokratie gefährden, weil die Politik immer stärker
in den Ruf gerate, korrupt zu sein. Denn August Baron von Finck,
Miteigentümer der Mövenpick-Hotels, hatte der FDP 1,1 Millionen Euro
und der CSU 820 000 Euro gespendet. Beide Regierungsparteien
beschlossen danach, die Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen von 19
auf 7 Prozent zu senken.
Eine Mehrheit der Bevölkerung von 54 Prozent meinte in der vergangenen
Woche, dass solche Zahlungen gestoppt werden müssten, wie eine
repräsentative Umfrage von TNS Emnid belegt (siehe Grafik). Gysis Sorge
vor einem Glaubwürdigkeits- und Gesichtsverlust des Parlamentes wird
durch die Tatsache gestützt, dass 68 Prozent der Nichtwähler – immerhin
rund 30 Prozent aller Wahlberechtigten – Parteispenden ablehnen. Auch
Frauen, Berufstätige und Gewerkschaftsmitglieder stimmen der Forderung
nach einem Verbot überdurchschnittlich zu.
Weiterhin haben sechs von zehn Interviewten den Eindruck, dass die
Spenden ungleich verteilt sind und bestimmte Parteien bevorzugt werden.
Gefragt, wohin vergleichsweise mehr Zuwendungen überwiesen werden,
nannten sie dann am häufigsten die CDU, die »Mövenpick-Partei« (so
nannte Gesine Lötzsch im Plenum die FDP), und danach CSU und SPD.
Insgesamt fällt auf, dass das »Problembewusstsein« bei den Anhängern
der Regierungsparteien am geringsten ausgeprägt ist: Vor allem sie
meinen, Parteispenden würden ausgewogen verteilt, zählen ihre Parteien
zu den weniger bevorzugten Adressaten und lehnen das Verbot der Spenden
am ehesten ab. Das erklärt dann auch, weshalb FDP-Chef Guido
Westerwelle den Vorwurf der Klientel-Politik so scharf von sich wies:
Spenden an Parteien gehören im konservativen Lager offenbar einfach zum
»guten Ton«. Dann sollten FDP und CSU wenigstens der Anregung von Klaus
Ernst folgen und die Hotelspende an die Erdbebenopfer in Haiti
weiterleiten.