MdB Frank Spieth, Linksfraktion
Frank Spieth
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Etliche Ärzte verweigern ihren Kassenpatienten aus Protest gegen die
Honorarreform die Behandlung. Vor allem in Süddeutschland verlangen
Ärzte Vorkasse, bevor sie ihr Stethoskop zücken. Und der bayerische
Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) zeigt auch noch Verständnis für
diese Abzocke!
Erpressung ist strafbar!
Das bringt den gesundheitspolitischen Sprecher der Fraktion, Frank
Spieth auf die Palme: „Vorauskasse von den Patienten zu verlangen,
heißt: Nur wenn du ausreichend Geld auf der Tasche hast, kannst du dir
eine Behandlung leisten. Das ist Erpressung, die bestraft werden muss.
Ärzte haben den Auftrag, die medizinische Versorgung der Bevölkerung
sicherzustellen. Dazu haben sie Verträge mit den Krankenkassen
abgeschlossen. Wer dagegen verstößt, dem muss das Handwerk gelegt
werden!“ Kassenpatienten zahlen ihre Beiträge und haben ein Recht auf
Behandlung. Spieth verweist darauf, dass Patienten, deren Ärzte dennoch
rechtswidrig Vorkasse verlangen, sich bei ihrer Krankenkasse oder der
Kassenärztlichen Vereinigung beschweren sollen.
Was bringt die Honorarreform?
Bisher erhielten die Ärzte je nach Bundesland unterschiedliche
Honorare. Dieses Vorgehen war weder durchsichtig noch gerecht. In
Zukunft sollen die Kassenärzte nicht mehr wie bisher nach Punktwerten,
sondern in Euro und Cent bezahlt werden. Eine Ultraschalluntersuchung
hat dann einen festen Preis - in Kiel genauso wie in Konstanz. Diese
Umstellung führt zu Gewinnern und Verlierern der Reform. Aber die
gravierenden Einkommensunterschiede werden jetzt nicht behoben:
Radiologen verdienten beispielsweise bis zu viermal so viel wie ein
Hausarzt. Innerhalb der Ärzteschaft toben deshalb Verteilungskämpfe.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
Das Ziel der Honorarreform ist, eine gerechtere Honorierung für
Ärztinnen und Ärzte zu erreichen, um beispielsweise dem Ärztemangel im
Osten zu begegnen. Dazu ist es nötig, in Ost wie in West für eine
gleiche Honorierung zu sorgen. Höchste Zeit: Mittlerweile sind 750
Praxen im Osten unbesetzt, die Tendenz ist steigend.
Mehr Geld für die Ärzte?
„Söder will die oben beschriebenen regionalen Ungerechtigkeiten
festschreiben. Wie bei der letzten Gesundheitsreform versucht er
ausschließlich, für Bayern Beute zu machen. Das ist Gift für das
Gesundheitssystem,“ so erläutert Spieth. Auch der
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach stellt sich wie Söder hin und
schlägt vor: Jeder Arzt soll seine Rechnung direkt an die Krankenkasse
richten. „Ein Irrsinn“, so Spieth. „Wer das fordert, ohne eine Grenze
einzuziehen, vergibt Lizenzen zum Gelddrucken. Wenn eine Kasse alles
zahlt, ohne eine Mengenbegrenzung vorzunehmen, dann rechnen die Ärzte
ohne Ende ab.“ Mit solchen populistischen Versprechungen treiben
Lauterbach und Söder das Gesundheitssystem in den Kollaps.
Fakt ist, dass die 140 000 niedergelassenen Ärzte in diesem Jahr 2,7
Milliarden Euro mehr erhalten als im Jahre 2007. Eine Steigerung von
satten zehn Prozent. Insgesamt fließen etwa 30 Milliarden Euro in die
ambulante medizinische Versorgung. Es gäbe – während viele Menschen in
wachsendem Maße ihre Arbeit verlieren oder zu Dumpinglöhnen arbeiten
müssen – keinen Grund zur Klage, wenn diese Milliarden sinnvoll auf
alle Kassenärzte verteilt würden.
Zwei-Klassen-Medizin beenden!
Schon heute leiden Kranke mit geringem Einkommen unter der
Zwei-Klassen-Medizin: Zuzahlungen, Praxisgebühr, Krankenhausgeld und
Leistungsausgrenzungen führen dazu, dass viele Menschen erst gar nicht
zum Arzt gehen. Knappe Ware wird rationiert: Ärzte verordnen nicht
immer nach medizinischen Erfordernissen. Mit Blick auf das immer
knapper werdende Budget erhalten Patienten nicht die erforderlichen
Verordnungen und Rezepte. Die eigentliche Krankenversicherung deckt
immer weniger ab. Die Kranken müssen dafür immer mehr zahlen. Wer es
sich leisten kann, versichert sich privat. Denn dort werden alle Kosten
übernommen.
DIE LINKE fordert gleiche Honorare in Ost und West, Nord und Süd. Jeder
braucht einen Hausarzt in seiner Nähe, auf dem Land genauso wie in der
Stadt. Dafür müssen die vorhandenen Honorare umverteilt werden.
Alle Menschen haben Anspruch auf einen freien Zugang zur medizinischen
Versorgung: Von der Untersuchung bis zum Medikament müssen die
Versicherten kostenlos behandelt werden. Die entstehenden Kosten müssen
auf alle Schultern verteilt werden. Dafür brauchen wir die solidarische
Bürgerinnen- und Bürgerversicherung. Wir werden die Zuzahlungen
abschaffen. Patienten erster und zweiter Klasse darf es nicht geben!