Von Kurt Stenger, Neues Deutschland
Wir warten gelassen auf die Investoren«, erklärte ein selbstzufriedener
Bahnchef auf der Bilanzvorstellung seines Konzerns am Dienstag in der
Börsenmetropole Frankfurt. Die Bilanzen der Deutschen Bahn AG sind so,
wie es sich Hartmut Mehdorn wünscht: Umsatz und Gewinn sind gestiegen,
und die DB transportiert auch wieder deutlich mehr Passagiere sowie
Güter. Letzteres ist zwar den stark gestiegenen Spritpreisen der
Straßenvehikel geschuldet. Doch Mehdorn wäre nicht Mehdorn, wenn er
sich dies nicht trotzdem ans eigene Revers heften würde. Mit seinem
strikten Börsenkurs, der eine Ausdünnung des Zugverkehrs in der Fläche
und eine Konzentration auf wenige renditeträchtige Strecken vorsieht,
hatte er in den Vorjahren viele Kunden verprellt. Und die jetzt
angekündigten erneuten Fahrpreiserhöhungen, für die es angesichts der
Gewinnsituation keine Rechtfertigung gibt, werden ein Übriges tun.
Aber der Bahnchef hat eben nicht die Allgemeinheit im Blick, sondern
die für diesen Herbst gewünschte Teilprivatisierung des Staatskonzerns.
Ob Interessenten tatsächlich Schlange stehen, wie es heißt, ist
zweifelhaft, zumal bisher kein Einziger namentlich genannt wurde.
Insofern dürfte Mehdorns Gelassenheit gespielt gewesen sein. Seine
gestrige Botschaft war eher ein Flehen: Bitte kommt, Investoren!